Ist #womenoutloud diskriminierend?

Ist #womenoutloud diskriminierend?

Sie kam schneller als erwartet. Viel schneller. Kaum hatten wir unser Projekt #womenoutloud veröffentlicht, meldete sich ein engagierter Vater:

Warum bedarf es dafür einer abgegrenzten Community? Wäre es nicht sinnvoller einen offenen Bereich in einer übergreifenden #WOL Community anzubieten? WOL verstehe ich als Methode zur Vernetzung über „Grenzen“ hinweg. Eine abgegrenzte Community widerspricht dem #WOL Gedanken.

Wir hatten im Vorfeld mehrfach darüber diskutiert, ob der Fokus auf ein Geschlecht ausgrenzend ist. Schliesslich sind es nicht nur die Frauen, deren Leben nach der Familiengründung anders verläuft als vorher. Auch Männer tragen plötzlich mehr Verantwortung, verlieren persönliche Freiheiten und schlafen nachts schlecht. Und auch Männer können- zumindest in Deutschland- Elternzeit nehmen. Auch wenn die Statistik klar zeigt, dass dies Männer viel weniger oder kürzer tun als Frauen und dass sie nachher eher wieder Vollzeit arbeiten, gibt es sehr engagierte Väter, die sich in all den „Mütter-Diskussionen“ übergangen fühlen. Zu Recht.

Uns geht es aber bei diesem Projekt nicht um eine Abgrenzung oder gar einer Gegenüberstellung der Situationen der beiden Geschlechter.  Wir möchten in unserem Projekt ganz einfach auf eine weitere Lebenssituation hinweisen, bei der WOL eine Hilfe sein kann. Und zwar eine, die wir selbst erfahren haben und von der wir direkt etwas verstehen: Frauen im Wiedereinstieg oder der Neuorientierung. Dies kann gerade nach der Elternzeit sein, oder auch später im Familienleben- wenn die Kinder grösser werden, wenn es Veränderungen beim Arbeitsverhältnis des Vaters gibt. Dann gibt es vielleicht den alten Job nicht mehr. Und schon gar nicht in Teilzeit, ein Arbeitsverhältnis, dass vielen Frauen wichtig ist, oder bei einigen Familien sogar notwendig. Denn auch wenn Kinder in der KiTa und Schule gut betreut sind- so ganz ohne Eltern geht es dann halt doch nicht, speziell wenn die Kinder nicht in Schublade „einfach, gefügig und lernbereit“ passen.

Wir möchten also mit unserem Projekt die WOL Botschaft gezielt für ein spezifisches Bedürfnis schärfen. Wir möchten auf Basis unserer Gemeinsamkeit als Frauen mit einer Begeisterung für WOL die vor/in/nach einer Elternpause stehen unsere Erfahrungen teilen und damit – vielleicht – andere inspirieren. Dementsprechend ist #womenoutloud auch keine geschlossene Community, sondern ein Projekt, bei dem auch Männer herzlich eingeladen sind, mitzudiskutieren. Es soll eine Sub-Community in der ganzen WOL Bewegung werden, die neue Aspekte aufgreifen will, somit eine weitere, eventuell ganz andere Personengruppe auf WOL aufmerksam machen und sie für WOL begeistern will.

Man könnte es auch mit Audes Worten ausdrücken: Wir schneiden nur den demographischen Kuchen ein wenig anders: Wir fokussieren auf alle interessierten Frauen, egal ob deutsch, französisch, englisch, spanisch, portugiesisch oder russisch sprechend, im Gegensatz zu WOL Gruppen, die sich auf eine Sprache oder ein Land fokussieren.

Und: Wenn sich das Projekt dorthin entwickelt, dass es alle, die von einem Umbruch betroffen sind, einbezieht, dann ist das nur noch umso schöner! Lasst uns mit #womenoutloud aber dort beginnen, wo wir selbst zuhause sind.

1 Kommentar bisher

Michael MunkeEingestellt am6:39 pm - Apr 10, 2018

Wow!
Klasse geschrieben.
Vielen Dank für die Berücksichtigung meiner Anregungen.
Ich wünsche euch viel Erfolg beim verbreiten der WOL Botschaften.
Und allen Berufsrückkehrern einen weniger anstrengenden Weg durch WOL.

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